Island ist das perfekte Land für einen Road-Trip. Der Inselstaat bietet weitläufige Straßen, Wasserfälle, Vulkane und atemberaubende Natur. Doch man muss nicht direkt die ganze Insel umreisen – Island lohnt sich auch für einen Kurztrip. Ein paar Tipps für Einsteiger.

Von Matthias Schwarzer

Island ist der zweitgrößte Inselstaat Europas und die größte Vulkaninsel der Erde. In kaum einem anderen Land gibt es so viel unberührte Natur, aktive Vulkane, Wasserfälle, Flüsse und Seen. Noch dazu ist Island sehr dünn besiedelt: Auf der ganzen Insel leben nur rund 320.000 Menschen. Auf 40 Quadratkilometern befinden sich im Schnitt nur zwei bis vier Häuser.

Wer eine Islandreise plant, sollte sich mit den Rahmenbedingungen vertraut machen. Denn eins ist leider nicht von der Hand zu weisen: Island ist als Reiseland ziemlich teuer. Aber: Es gibt einige Möglichkeiten zum Sparen. Beispielsweise bei der Flugreise.

Günstige Flüge mit WOW Air

Die isländische Billigfluggesellschaft WOW Air fliegt täglich zu günstigen Konditionen in die Hauptstadt Reykjavik. Zum Beispiel von Frankfurt oder auch von Amsterdam. Natürlich verzichtet ihr hier auf jeglichen Luxus und: Ihr müsst euch auch auf Flugverspätungen einstellen. Zumindest in meinem Fall war es so, dass weder der Hinflug noch der Rückflug zur angekündigten Uhrzeit in die Luft gegangen sind.

Günstige Unterkünfte bei Privatpersonen

Sparen könnt ihr auch bei der Unterkunft, denn die sind in Reykjavik ebenfalls ziemlich teuer. Aber wenn euch auch hier der Luxus nicht so sehr am Herzen liegt, könnt ihr auf Gästehäuser zurückgreifen oder Airbnb ausprobieren. In Island gibt es viele Privatpersonen, die ihre ungenutzten Räume an Touristen vermieten.

Den richtigen Mietwagen finden

Mietwagen in Island.

Mein Mietwagen in Island.

Und zu guter Letzt: Wenn ihr mit einem Mietwagen durch Island fahren wollt, solltet ihr euch die Konditionen genau angucken. Am günstigsten wird es, wenn ihr das Auto frühzeitig bucht, und auf die Zusatzversicherungen achtet — denn nicht jede ist tatsächlich sinnvoll.

Wenn ihr nur auf der Straße unterwegs seid (das gilt beispielsweise für eine Kurzreise auf dem „Golden Circle“), reicht ein normaler Kleinwagen und eine Standardversicherung. Wenn ihr allerdings Schotterstraßen nutzen wollt (und davon gibt es einen Menge in Island), dann solltet ihr das Auto auch gegen entsprechende Schäden versichern lassen.

Und ganz wichtig: Einige Straßen in Island, die sogenannten F-Straßen, dürfen ausschließlich mit einem Allrad-Fahrzeug befahren werden. Wer sich nicht daran hält und erwischt wird, muss richtig Schotter zahlen.

Ausflugsziele für eine Rundreise durch Island

Wer die Insel nicht direkt komplett umrunden möchte, für den bietet sich die Touristenroute „Golden Circle“ an. Die Rundreise beginnt und endet in der Hauptstadt Reykjavik – und auf dem Weg liegt alles, wofür Island bekannt ist: Vulkane, Geysire, Wasserfälle und atemberaubende Landschaften.

5 spannende Ausflugsziele findet ihr in meinem Video.

Tipp 1: Reykjavík.

Laugevegur Reykjavik

Streetart in der Laugavegur in Reykjavík.

Reykjavik ist die Hauptstadt Islands und der Ausgangpunkt für den „Golden Circle“. Allerdings ist Reykjavik so gar nicht das, was man sich unter Hauptstadt vorstellt: Hier leben nur 120.000 Menschen und die Stadt ist sehr gemütlich und ruhig.

In Reykjavik findet ihr einige architektonische Besonderheiten. Zum Beispiel viel Street-Art und kleine schnuckelig bemalte Häuser. Ziemlich stylisch ist die „Harpa Concert Hall“: Ein Opernhaus, das 2011 eröffnet wurde und seitdem als neues Wahrzeichen der Hauptstadt gilt. Das Gebäude beherbergt sowohl das Isländische Symphonieorchester als auch die isländische Oper. Die Fassade wurde von Olafur Eliasson gestaltetet.

Harpa Concert Hall in Reykjavik

Die „Harpa Concert Hall“ in Reykjavík.

Nicht weit entfernt findet ihr auch ein weiteres Wahrzeichen Reykjaviks: Die Hallgrímskirkja – eine riesige Kirche, die erst 1945 erbaut wurde und zu den höchsten Gebäuden des Landes gehört.

Laugavegur mit Blick auf die Hallgrimskirkja, Reykjavik

Die Laugavegur mit Blick auf die Hallgrimskirkja in Reykjavík.

Besondererer Anziehungspunkt Reykjaviks ist jedoch die bunte Einkaufsstraße Laugavegur. Hier reihen sich hippe Boutiquen, individuelle Läden und Kunst aneinander. Außerdem ist Laugavegur die Ausgehmeile Reykjaviks: Hier findet ihr viele Cafés, Bars und Clubs.

Und wer noch ein etwas außergewöhnliches Museum in Reykjavik besuchen möchte: An der Laugavegur befindet sich auch das isländische Phallusmuseum. Die Ausstellung sammelt konservierte Penisse von Säugetierne jeder Art, die in Island leben. Insgesamt zeigt das Museum über 280 Exponate, darunter Exemplare von Walen, Robben Bären und verschiedenen Landsäugetieren. Aber auch den konservierten Penis eines Menschen könnt ihr hier sehen. Der Eintritt kostet etwa 11 Euro.

Tipp 2: Der Vulkankrater Kerið

Der Vulkankrater Kerid in Island

Der Vulkankrater Kerið in Island.

Der Kerið ist ein 55 Meter tiefer Vulkankrater. Riesige Löcher wie dieses entstehen normalerweise nach kurzen, heftigen Ausdrücken von Vulkanen. Beim Kerið ist das wohl ein bisschen anders — hierbei handelt es sich laut der Wissenschaft um einen sogenannten Schlackekrater. Man kann den Kerid über einen Trampelpfad besichtigen und auch zum Grundwassersee absteigen. Der Kerið ist jedoch eine der wenigen Sehenswürdigkeiten in Island, die Eintritt verlangen: Zumindest in der Saison zahlt man am Kassenhäuschen umgerechnet etwa 3 Euro.

Tipp 3: Der Geysir Strokkur.

Der Geysir Strokkur in Island.

Alle warten auf die Explosion: Der Geysir Strokkur bricht alle zehn Minuten aus.

Für seine Geysire und heißen Quellen ist Island bekannt. Man kann hier sogar in der sogenannten „Blue Lagoon“ baden. Wer dafür nicht so viel Reisezeit eingeplant hat, der fährt einfach mal zum Strokkur. Das ist eine Springquelle, die ziemlich zuverlässig alle paar Minuten ausbricht.

Der Strokkur liegt in einem Heißquellengebiet im Südwesten des Landes – und zwar direkt neben dem großen Geysir, dem Namensgeber all dieser Quellen. Dieser bricht heute jedoch nicht mehr aus. Nachdem der Geysir etwa 10.000 Jahre aktiv war, erloschen Anfang des 20. Jahrhunderts die Ausbrüche – vermutlich infolge geänderter Grundwasser- und Erdwärmeverhältnisse als Folge von Erdbeben.

Seit dem Jahr 2000 zeigen sich gelegentlich wieder leichte Aktivitäten der Springquelle. Der Strokkur (zu Deutsch: Butterfass) ist jedoch absoluter Touristen-Anziehungspunkt: Im Abstand von 10 bis 20 Minuten bildet sich eine 20m hohe Fontäne.

Tipp 4: Eine Fahrt durch den Þingvellir Nationalpark.

Unendliche Weiten im Þingvellir-Nationalpark.

Unendliche Weiten im Þingvellir-Nationalpark.

Der Þingvellir-Nationalpark wiederlegt so ziemlich alles, was ihr vielleicht über Island zu wissen geglaubt habt. Die blühende Landschaften sind wirklich sehr beeindruckend und eignen sich bestens zum wandern — oder für eine nette Autotour durch den Nationalpark.

Auch historisch hat der Ort eine große Bedeutung: Hier wurde seinerzeit eins der ältesten Parlamente der Welt gegründet. Bereits um 930 trafen sich die Isländer hier im Þingvellir, um einmal im Jahr Gesetze zu verabschieden. Diese traditionelle Versammlung fand immer im Juni statt. Im Jahr 1000 wurde hier zum Beispiel die Annahme des Christentums beschlossen.

Und: An diesem historischen Ort wurde auch am 17. Juni 1944 die Republik Island ausgerufen und 1994 deren Fünfzigjahrfeier begangen.

Tipp 5: Der goldene Wasserfall Gullfoss.

Der goldene Wasserfall "Gullfoss" in Island.

Der goldene Wasserfall „Gullfoss“ in Island.

Der Gullfoss ist ein riesiger, tobender Wasserfall. Über zwei Stufen und 32 Meter rauscht hier das Wasser in eine lange Schlucht hinein. Wenn man Glück hat und die Sonne scheint, sieht man über dem Gulfoss sogar einen Regenbogen. In der Abendsonne schimmert die Gischt golden. Daher hat der Gullfoss übrigens auch seinen Namen „der goldene Wasserfall“.

Der goldene Wasserfall "Gullfoss" in Island.

Der goldene Wasserfall „Gullfoss“ in Island.

Dass es den Wasserfall heute überhaupt noch gibt, ist laut Erzählungen einer mutigen Bauerntochter zu verdanken. Sie soll in den 20er Jahren unerbittlich gegen englische Investoren gekämpft haben, die aus dem Wasserfall einen Staudamm machen wollten. Unter anderem soll sie auch damit gedroht haben, sich in die Fluten zu stürzen — was scheinbar zum Umdenken geführt hat. Heute erinnert eine Hinweistafel an die Heldin. Seit 1979 steht der Gullfoss auch unter Naturschutz.

Wer den Wasserfall besuchen möchte: Vom Parkplatz aus führt ein Trampelpfad zu den tosenden Fluten.

Lust auf mehr Road-Trips durch die Natur? Vielleicht ist ja auch Schottland was für euch.

Alle Texte, Videos und Fotos: Matthias Schwarzer

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